Frauen in der Bibel: Die heiligen Frauen im Juli
Frauen in der Bibel begegnen uns oft nur als Randfiguren, als Randnotiz neben den großen Männergestalten. Und doch, wer genauer hinschaut, findet in ihnen ein ganzes Spektrum weiblicher Kraft. Der Juli schenkt uns dafür eine besondere Gelegenheit. Innerhalb weniger Tage feiern gleich vier Frauen ihren Namenstag:
- Margareta am 20.
- Maria Magdalena am 22.
- Anna am 26. und
- Martha am 29. Juli.
Tage der heiligen Frauen, mitten im Sommer. Für mich ist das immer wieder Anlass, diese Geschichten neu zu lesen. Nicht als religiöse Übung, sondern als Spiegel für das, was in uns Frauen heute lebendig sein will.
Mir geht es dabei ausdrücklich nicht um Bibel oder katholischen Glauben. Ich lese diese Geschichten als Metapher fürs Leben, als altes Bildmaterial für das, was in uns Frauen heute lebendig sein will. Die Gedenktage beziehe ich dafür in meine Arbeit mit den ZeitQualitäten ein, als kleinen Impuls zur persönlichen Reflexion, ganz unabhängig davon, welchen Glauben du lebst oder ob du gar keinen Glauben lebst.
Die alten Erzählungen sind ja nie nur Geschichte. Sie sind Bild und damit Metapher für etwas, das zeitlos ist und sich in jeder Frau, die heute lebt, auf ihre Weise wiederholt. Wer sich mit Frauen in der Bibel beschäftigt, merkt schnell, dass hinter jedem Namen eine ganz eigene Qualität liegt, eine Energie, die weit über die einzelne Person hinausreicht und bis heute wirkt.
Frauen in der Bibel: oft übersehen, doch voller Kraft
In den biblischen Texten sind Frauen meist in der Minderheit. Die großen Erzählstränge folgen den Männern, den Königen, den Propheten, den Aposteln. Umso mehr lohnt sich der Blick auf jene Frauen in der Bibel, die trotzdem sichtbar wurden, die einen eigenen Namen, eine eigene Geschichte und einen eigenen Gedenktag erhielten. Margareta, Maria Magdalena, Anna und Martha gehören zu diesen Frauen. Jede von ihnen mag auf den ersten Blick eine kleine Nebenfigur sein, und doch steckt in jeder eine Qualität, die für uns Frauen heute noch lesbar und spürbar ist.
Margareta: der Drache und die eigene Klarheit
Margareta von Antiochia wird am 20. Juli gefeiert. Ihr Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet die Perle. Die Legende erzählt, sie sei die Tochter eines heidnischen Priesters gewesen, aufgewachsen bei einer christlichen Amme, und sie habe sich geweigert, ihren Glauben und ihren eigenen Weg für eine erzwungene Ehe aufzugeben. Im Kerker soll ihr ein Drache erschienen sein, der sie verschlingen wollte. Sie besiegte ihn mit dem Kreuzzeichen.
Ein Drache, der eine Frau bedrängt, weil sie sich weigert, sich zu verbiegen. Das ist ein Bild, das viele Frauen kennen, auch ohne Legenden. Der innere Drache zeigt sich als die Stimme, die sagt, mach dich klein, passe dich an, widersprich nicht. Margareta erinnert daran, dass diese Stimme nicht das letzte Wort haben muss. Die Perle in ihrem Namen ist das, was unter Druck entsteht, langsam, geschichtet, wertvoll gerade weil sie sich nicht auflöst.
Wo in deinem Leben verlangt gerade jemand von dir, dich zu verbiegen? Und was wäre deine eigene Form des Kreuzzeichens, dein eigenes Zeichen der Klarheit?
Maria Magdalena: die Liebe außerhalb der Norm
Am 22. Juli begehen wir den Gedenktag der Maria Magdalena. Sie war eine Frau außerhalb der gewohnten Bilder ihrer Zeit. Ungewöhnlich, weil sie mit Jesus und den Männern umherzog. Ungewöhnlich, weil sie über eigene Mittel verfügte. Und ungewöhnlich, weil sie als erste Zeugin der Auferstehung galt, lange bevor Papst Franziskus sie 2016 offiziell zur Apostelin der Apostel erhob.
Sie steht für die Liebe, die sich nicht an Erwartungen hält. Bedingungslos, ohne Vorbehalt, ohne die Frage danach, ob es sich gehört. Viele Frauen kennen dieses Gefühl, außerhalb der Norm zu sein, wenn sie ihrem eigenen Ruf folgen statt dem, was von ihnen erwartet wird. Maria Magdalena erinnert daran, dass genau darin eine besondere Nähe zum Leben liegt.
Anna: die Herzensfrau und die große Mutter
Der 26. Juli gehört Anna, der Mutter Marias und damit Großmutter Jesu. Ihr Name stammt vom hebräischen Hannah und bedeutet Anmut, Liebreiz. In der Verbindung mit der keltischen Göttin Anu wird sie zur nährenden Urmutter, zur Beschützerin des eigenen Feldes, des eigenen Lebens und all jener Menschen, die darin wachsen dürfen.
Anna zeigt die Qualität der (Groß)Mutter, die nicht nur gebiert, sondern über Generationen hinweg begleitet und beschützt. Das betrifft nicht nur leibliche Mütter. Jede Frau ist an irgendeiner Stelle ihres Lebens Mutter von etwas: einer Idee, einem Projekt, einer Berufung, die durch sie geboren werden will.
Welchem Werden bist du gerade Mutter?
Martha: die Herrin des eigenen Hauses
Den Abschluss der Woche bildet am 29. Juli Martha, die Schwester von Lazarus und Maria von Bethanien. Ihr Name stammt aus dem Aramäischen und bedeutet Herrin, Gebieterin des Hauses. Sie war die tüchtige, dienende, manchmal auch resolute Gastgeberin, doch die Legende schenkt ihr noch ein zweites Gesicht: Sie soll später einen Drachen gebändigt und ein Kloster gegründet haben, in dem sie jahrzehntelang mit anderen Frauen lebte.
Auch hier taucht der Drache wieder auf, wie schon bei Margareta. Vielleicht ist das kein Zufall. Beide Frauen begegnen einer Kraft, die zunächst bedrohlich wirkt, und beide gehen ihr entgegen, statt vor ihr zu fliehen. Martha steht dafür, die Gebieterin im eigenen Haus zu sein, in der eigenen Innenwelt genauso wie im äußeren Alltag. Wer bestimmt, was in deinem Haus geschieht, wer darf eintreten, wer nicht? Diese Frage stellt Martha bis heute.
Was diese Frauen in der Bibel gemeinsam haben
Vier Frauen, vier Namenstage, vier ganz unterschiedliche Geschichten. Und doch verbindet sie ein roter Faden: Jede von ihnen steht an einem Punkt, an dem sie sich entscheidet, ihrer eigenen inneren Autorität zu folgen, statt sich von außen bestimmen zu lassen. Margareta widersteht dem Drachen der erzwungenen Anpassung. Maria Magdalena lebt Liebe jenseits der Norm. Anna beschützt, was durch sie wachsen darf. Martha bestimmt selbst, wer ihr Haus betritt.
Für mich ist die Woche der heiligen Frauen im Juli deshalb weit mehr als ein kirchlicher Kalender. Sie ist eine Einladung, die eigene Geschichte neben diese alten Bilder zu legen und zu schauen, welche Qualität gerade jetzt gerufen wird.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum uns Frauen in der Bibel bis heute berühren. Sie sind alt und gleichzeitig ganz gegenwärtig. Ihre Namen stehen im Kalender, ihre Geschichten aber warten darauf, in jeder von uns neu gelebt zu werden. Nimm dir also in diesen Tagen einen Moment und frage dich, welche dieser vier Frauen dich gerade am meisten anspricht, und was sie dir zu sagen hat.
Häufige Fragen zu den Frauen in der Bibel im Juli
Welche Namenstage fallen in die Woche der heiligen Frauen im Juli?
Margareta (20. Juli), Maria Magdalena (22. Juli), Anna (26. Juli) und Martha (29. Juli).
Was bedeutet der Name Margareta?
Margareta kommt aus dem Griechischen und bedeutet die Perle.
Warum wird Maria Magdalena als Apostelin bezeichnet?
Weil sie als erste Zeugin der Auferstehung Jesu galt. Papst Franziskus erhob ihren Gedenktag 2016 offiziell zum Fest und würdigte sie als Apostelin der Apostel.
Was verbindet Margareta und Martha?
In beiden Legenden erscheint ein Drache, den die Frauen nicht fliehen, sondern dem sie sich stellen, ein Bild für die Kraft, die eigenen inneren Widerstände zu meistern.











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