Barbara-Tag: Die zweite Sperrnacht vor der Wintersonnenwende

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Barbarazweig Kirschzweig am Barbara-Tag 4. Dezember – Tradition der Sperrnächte vor den Rauhnächten

Der Barbara-Tag am 4. Dezember gilt als eine der vier Sperrnächte vor der Wintersonnenwende, die zweite nach dem Katharinen-Tag am 25.11.2025. Die Energie dieser Tage schenkt uns zusätzliche Impulse, runterzufahren und es der Natur gleichzutun: still zu werden.

Die alte Tradition der Sperrnächte

In altbäuerlicher Tradition galten die Sperrnächte als jene Tage, an denen mehr und mehr „weggesperrt“ wurde, was dem arbeitsintensiven Jahr zugerechnet wurde, zuletzt dann das Spinnrad. Man wollte der Schar rund um die Percht während der Rauhnachtszeit entsprechend zollen und sie günstig stimmen.

Was bedeutet „Wegsperren“ heute?

Für den spirituellen Zugang der heutigen Zeit hat sich der Auftrag nicht verändert, nur das Verständnis dafür. Wegsperren, zusperren und innehalten. Vermutlich leichter gesagt als getan. Dennoch: Wenn du ohne Widerstand („aber es ist gerade so viel zu tun“, die „hektische Vorweihnachtszeit“) auf diesen Auftrag schaust…

Warum erscheint das auf den ersten Blick so schwer?

Und was, wenn du auf dein Leben schaust – gibt es eventuell etwas, das du „wegsperren“ möchtest? Zurücklassen und beenden? Es ab nun anders tun, anders leben?

Die Ausrichtung dafür könnte wertvoll sein für deine Ausrichtung hin zu den Rauhnächten und hin zum neuen Jahr.

Den Alltag für einen Moment wegsperren

Innehalten und erste Rückschau halten:

  • Was war besonders in diesem Jahr, wofür gilt es wertschätzend den Blick zu wählen?
  • Wofür bist du dankbar?
  • Welches sind herausragende Begegnungen 2025 gewesen?
  • Welche Erfahrungen erweisen sich als wertvoll für dich?

Befreit ins neue Jahr gehen

Sperrnächte dienen vor allem dazu, sich bewusst zu machen, dass man nicht „belastet“ ins neue Jahr geht. So gilt es nicht nur alte Schulden zu begleichen, sondern auch ungeklärte Angelegenheiten im Außen wie im Innen zu lösen – den Blick auf das Begrenzende und Belastende zu wählen.

  • Was oder wer fällt dir dazu spontan ein?
  • Was hat mich gekränkt, geärgert, wütend gemacht?

Verzeihen und Versöhnen, Loslassen lautet der Auftrag. Möglicherweise hilft ein Gespräch:  im Außen oder im Innen als Vergebungsritual. Oder der klare Blick darauf löst und schenkt Befreiung.

Barbara und Borbeth: Von der Göttin zur Heiligen

Auch der Barbara-Tag blickt auf eine noch ältere Geschichte der Volkskunde zurück. Borbeth,  sie ist eine der Schicksalsgöttinnen neben Ambeth und Willbeth, die vor allem in der Zeit zwischen den Jahren einen ganz besonderen Stellenwert haben.

Die Kirche hat wohl seinerzeit auch hier den Tag gewählt und den Ehrentag der Barbara „draufgesetzt“ und so wurde die Göttin Borbeth zur Barbara. Borbeth hatte als Attribut den Turm, der wurde auch auf Barbara als Symbolbild übertragen.

Die Legende der heiligen Barbara

Die heilige Barbara ist eine der bekanntesten Heiligen der Geschichte. Dennoch gibt es verschiedene Erzählungen zu ihrem Leben. Zur Heiligen macht sie, wie zumeist in den Geschichten der christlichen Kirche, dass sie den Tod einer Märtyrerin starb.

Die Legende erzählt, dass Barbara, selbst bildhübsch, ihre zahlreichen Freier zurückwies. Ihr Vater, ein gewisser Dioscuros, sah das nicht gerade gerne. Er war ein roher Kerl, so will es die Legende, und zudem ein fanatischer Christenhasser. Als er erfuhr, dass sich Barbara regelmäßig heimlich mit einer Gruppe von Christen traf, ließ er einen Turm bauen, um seine Tochter darin einzusperren.

Da bekannte Barbara ihrem Vater, sie habe sich taufen lassen. Das war für Dioscuros eindeutig zu viel: Er ließ Barbara brutal martern und schlug ihr schließlich eigenhändig den Kopf ab. Doch die Strafe folgte auf dem Fuß: Kaum hatte Dioscuros das Schwert beiseite gelegt, wurde er von einem Blitz erschlagen, heißt es in der Barbara-Legende.

Die „drei heiligen Madeln“

Barbara bildet mit Katharina und Margareta die Gruppe der „drei heiligen Madeln“ (Bauernpatroninnen) unter den 14 Nothelfern. Ergänzt um die heilige Dorothea bilden die vier Frauenheiligen die „quattuor virgines capitales“, also die vier besonders heiligen Jungfrauen.

Die Verehrung der heiligen Barbara hat sich weit verbreitet. Weil sie lange in einem Turm in der Finsternis eingesperrt war, wurde sie unter anderem zur Schutzpatronin der Bergleute, die ihre schwere Arbeit auch zum größten Teil in der Finsternis des Berges verrichten müssen.

Außerdem gilt sie für die „dunkle“ Stunde des Todes als Patronin der Sterbenden. Wer die heilige Barbara anruft, wird nicht ohne Sterbesakramente sterben. Die heilige Barbara war die Garantie für den Eintritt in das himmlische Paradies.

Die symbolische Bedeutung für heute

Welches Bild reicht uns nun diese Legende?

Der Name: „Die Fremde“

„Barbara“ bedeutet „die Fremde“ – anders ausgedrückt, die Andersartige, nicht Eingegliederte, die auf die Menschen fremd wirkt. Als Fremde ist sie zugleich die freie Frau und die unverstandene Frau.

Barbara wird oft mit grünen Gewändern dargestellt. Grün ist die Farbe der göttlichen Schöpferkraft. Der Kelch, mit dem Barbara auch dargestellt wird, erinnert an den Kelch, den ihr der Engel gereicht hat. Der Kelch ist ein altes weibliches Symbol. Die Frau ist die nährende Mutter.

Fragen an dich zur heutigen Zeitqualität

So ist es die heutige Zeitqualität, die uns einlädt nachzufühlen (für alle, nicht nur jene, die Barbara heißen):

Die Geschichte beginnt mit der „Zurückweisung“  und das kann ein Schattenaspekt sein: dass eine Barbara zu oft oder zu schnell zurückweist, im Außen und im Innen „sich selbst“ zurückweist. Sie sich im (symbolischen) Turm hält oder sich wie fremd fühlt.

  • Wo fühle ich mich fremd? Oder andersherum: Wo passe ich mich zu sehr an, um nicht die Fremde zu sein? Womöglich aus Angst, alleine zu sein.
  • Fühle ich mich fremd in der Welt? Warum? Und was macht das mit mir?

Die heilige Märtyrerin Barbara bekennt sich zu ihrem Glauben und ihrer tiefen Wahrheit. Daher die Frage an dich:

  • Glaubst du an dich? Bekennst du dich zu deiner Wahrheit  oder passt du dich an, bist zu oft still… „aus Gründen“?

Der Turm als Symbol

  • Welche Aspekte meines Lebens wollen genährt werden?

Vielleicht ganz konkret auch jene aus dem Bild des Turmes, welches wir in der Legende sehen. Der Turm symbolisiert die festen Fundamente, die wir im Leben wählen.

  • Hast du sie für dich definiert? Schenkst du ihnen ausreichend Aufmerksamkeit?

Im Kontext dazu sind es die Qualitäten von Standfestigkeit, Rückzug, Orientierung, Richtung und Halt, unter denen wir die Themen unseres Weges und Alltags betrachten können.

Barbara als Lichtbringerin

Barbara versteht man aber auch als Lichtbringerin. So könntest du auch dieses Licht für das Versteckte, noch nicht Sichtbare einladen auf deine Fragen oder dein (noch) Nicht-Wissen beziehungsweise (noch) Nicht-Sehen.

Was wenige wissen: Der erste Perchtentag

In manchen Regionen gilt der Barbara-Tag als der erste Perchtentag und damit als der erste Tag „der rauchen Zeit“: der Rauhnächte. Damit öffnet sich das Feld der Tage „für die neue Zeit“.

Barbara – Bärbel – Bärbele. Die Abwandlung des Namens schenkt uns auch ein neues Bild und einen anderen Klang: „gebären“. Auch das erinnert an das Neue: eine Geburt steht bevor. Jene des Lichts, jene des neuen Jahres.

Und manchmal für jede und jeden von uns selbst auch.

  • Wagst du dich dafür zu öffnen?

Die drei Bethen: Ambeth, Willbeth und Borbeth

Viele der Heiligen und Festtage der Kirche sind in Wirklichkeit auf die alten Kulturen zurückzuführen, so fanden sie beim „nichtchristlichen Volk“ eher Akzeptanz. So gilt als Barbaras Ursprung die Göttin Borbeth, die für das Heilen, die Wärme und die Geborgenheit steht.

Die Kelten nannten Borbeth als eine der Schutzgöttinnen, der drei Bethen: Ambeth, Willbeth und Borbeth. Sie bilden die göttliche Triade als Erd-, Mond- und Sonnenfrau.

Es ist davon auszugehen, dass die Kirche sie unter den neuen Namen übernommen hat, denn von der Energie sind sie ähnlich zu spüren wie „Margaretha mit dem Wurm“, „Barbara mit dem Turm“ und „Katharina mit dem Radl“-  die „heiligen drei Madl“. So lautet der entsprechende Merkspruch, den man im Alpenraum dazu kennt.

Katharina, Margaretha, Barbara  als die drei heiligen Frauen aus dem Team der 14 Nothelfer, die uns selbst die Kirche so vermittelt.

Möchtest du mehr über die Rauhnächte und die spirituelle Bedeutung der Wintersonnenwende erfahren? Lass dich von der Energie dieser besonderen Zeit tragen und nutze die Sperrnächte für deine innere Einkehr.

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